Es gibt Themen, die ich anspreche, und bei denen Menschen sagen: Das habe ich noch nie gehört. Warum weiß ich das nicht? HPU ist eines davon.
Hämopyrrolurie. Der Name klingt kompliziert. Das Konzept dahinter ist es weniger — aber die Auswirkungen, wenn es unerkannt bleibt, können erheblich sein. Ich spreche über HPU, weil es bei mir selbst ein relevanter Faktor war. Weil es bei vielen Menschen, die zu mir kommen und von chronischer Erschöpfung, Fibromyalgie, Borreliose-Nachwirkungen oder diffusen Symptomen berichten, unentdeckt ist. Und weil es zu dem gehört, was ich unter "bessere Fragen stellen" verstehe — Fragen, die das Standardlabor nicht stellt, aber die entscheidend sein können.
Was HPU ist
Hämopyrrolurie — auch bekannt als Kryptopyrrolurie oder Mauve Factor — ist ein Stoffwechselzustand, bei dem bei der Synthese von Hämoglobin (dem roten Blutfarbstoff) bestimmte Abfallprodukte, sogenannte Hydroxyhemopyrrolins (HPL), in erhöhtem Maß produziert werden. Diese HPL-Verbindungen werden über den Urin ausgeschieden. Das Problem: Sie binden sich unterwegs an Vitamin B6 (Pyridoxin/Pyridoxal-5-Phosphat) und Zink — und ziehen diese Nährstoffe mit aus dem Körper. Das Resultat: Ein chronischer, funktioneller Verlust von B6 und Zink, der sich im normalen Blutbild nicht immer zeigt — weil das Blut die letzten Reserven aufrechtzuerhalten versucht, bevor es den Gewebemangel widerspiegelt. B6 und Zink sind für eine erschreckend lange Liste von Körperfunktionen essenziell: B6 ist notwendig für: Neurotransmitter-Synthese (Serotonin, Dopamin, GABA), Energiestoffwechsel, Immunfunktion, Hämoglobin-Synthese, Hormonregulation, Myelin-Bildung. Zink ist notwendig für: Immunfunktion, Wundheilung, Hormon-Synthese (besonders Testosteron und Progesteron), DNA-Reparatur, Nervenfunktion, Verdauungsenzyme, Schilddrüsenfunktion. Ein chronischer Mangel an beiden kann sich in einem sehr breiten Symptomspektrum zeigen.
Wer HPU haben kann und wie sich das zeigt
HPU ist zu einem erheblichen Teil genetisch bedingt, kann aber auch durch Stress, Infektionen, Toxinbelastung oder andere Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden.
Es wird geschätzt, dass HPU bei etwa 10–15% der Bevölkerung vorliegt. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen ist die Rate deutlich höher — bei manchen Studien bis zu 30–50% bei Fibromyalgie, chronischer Erschöpfung und Borreliose. Symptome, die typischerweise mit HPU assoziiert werden: Ausgeprägte Stressempfindlichkeit — kleine Stressoren fühlen sich sehr groß an. Schlechte Stresstoleranz und langsame Erholung nach Stress. Schlafstörungen, insbesondere Probleme, in den erholsamen Schlaf zu kommen. Schlechtes Morgenerwachen — lange brauchen, um in Gang zu kommen. Übelkeit oder Appetitlosigkeit am Morgen. Häufige Infektionen oder ein geschwächtes Immunsystem. Akne, Hautprobleme, Ekzeme. Weiße Flecken auf den Fingernägeln (Zeichen von Zinkmangel). Konzentrationsprobleme, Brain Fog. Hormonchaos, unregelmäßiger Zyklus. Gelenkschmerzen und erhöhte Schmerzempfindlichkeit. Emotionale Labilität, Angstzustände, Stimmungsschwankungen.
Warum das Standardblutbild HPU nicht erkennt
Das ist der entscheidende Punkt, der viele frustriert. HPU wird im normalen Blutbild nicht getestet. Es ist kein Marker, der standardmäßig bestimmt wird. Selbst wenn ein Arzt ein erweitertes Blutbild macht — HPU taucht dort in der Regel nicht auf. HPU wird durch einen Urintest nachgewiesen. Dieser Test muss über ein spezialisiertes Labor angefordert werden — er ist nicht überall verfügbar und nicht im Standard-Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.
Und weil der Test nicht standard ist, wird die Frage auch nicht gestellt. Das erklärt ein Phänomen, das so viele Menschen kennen: Alles wurde untersucht. Alle Werte sind okay. Aber das Körperchaos bleibt. Vielleicht wurde das Falsche getestet.
Was bei HPU-Verdacht sinnvoll ist
Der HPU-Test: Über spezialisierte Labore — in Deutschland beispielsweise das Biovis-Labor oder das Labor Huppke — kann ein HPU-Test aus dem Urin angefordert werden. Dieser sollte nicht an einem Tag mit extremem Stress oder kurz nach einer intensiven körperlichen Belastung durchgeführt werden. Fachbegleitung bei positiver Diagnose: HPU ist gut behandelbar. Mit der richtigen Substitution von B6 (als aktivierter Form Pyridoxal-5-Phosphat), Zink (als gut absorbierbarer Form, z.B. Zinkbisglycinat) und Mangan kann die Nährstoffversorgung stabilisiert werden. Aber: Die Dosierung ist individuell und sollte fachlich begleitet werden. Zu hohe Zinkgaben können zum Beispiel Kupfer verdrängen. Zu hohe B6-Gaben können bei manchen Menschen Nervenschäden verursachen. Gleichzeitige Betrachtung der Gesamtsituation: HPU ist selten der einzige Faktor. Es ist oft ein Teil eines komplexeren Bildes, das auch Darmfunktion, Stressachse, Ernährung und andere Faktoren einschließt.
Warum mir dieses Thema wichtig ist
Ich habe in meiner eigenen Geschichte gelernt, wie wenig ein Standardblutbild manchmal sagt. Wie oft "alles okay" bedeutet, dass man die richtigen Fragen noch nicht gestellt hat. HPU ist ein Beispiel für das, was ich "die Lücke zwischen dem, was das System untersucht, und dem, was der Körper braucht" nenne. Das macht mich nicht wütend auf Ärzte. Viele von ihnen wissen gar nicht, dass HPU existiert oder wie relevant es ist. Das Wissen darüber ist noch nicht in den Mainstream gedrungen. Aber es macht mich entschlossen, darüber zu sprechen. Weil zu viele Menschen jahrelang suchen und dabei nie die richtigen Fragen gestellt bekommen.
Reflexionsfragen
Trägst du mehrere der genannten Symptome mit dir — besonders Stressempfindlichkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen und weißliche Nagelverfärbungen? Wurde bei dir je ein HPU-Test gemacht? Wenn nicht — warum nicht? Wie war deine Reaktion auf Stress in den letzten Jahren? Eher stärker oder ähnlich wie früher? Wenn du bei einem Arzt nach einem HPU-Test fragen würdest — was würde dich davon abhalten?
Sanfte Impulse
Informiere dich über den HPU-Test. Bring das Thema beim nächsten Gespräch mit einer Fachperson ein — als informierte Frage, nicht als Selbstdiagnose. Wenn du bereits Zink supplementierst: Achte auf die Form (Zinkbisglycinat oder Zinkorotat sind gut absorbierbar) und prüfe Kupfer gleichzeitig. Wenn du vermutest, B6 zu brauchen: Wähle die aktivierte Form Pyridoxal-5-Phosphat, nicht Pyridoxinhydrochlorid (die synthetische Form, die bei einigen Menschen nicht gut verwertbar ist).
In der Körperwahrheit Starterliste gibt es konkrete Empfehlungen zu HPU-Testlaboren und hochwertigen Supplementen für die HPU-Begleitung. → Zur Körperwahrheit Starterliste
Disclaimer
Die Inhalte dieses Artikels ersetzen keine medizinische Diagnose und keine individuelle Begleitung. HPU-Therapie sollte durch qualifizierte Fachpersonen begleitet werden. Selbständige Hochdosierung von Nährstoffen ohne fachliche Begleitung wird nicht empfohlen.
ISNESS JOURNAL — Blogartikel Teil 3
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